Kündigungsgespräch (1): @davidhug

Donnerstag, 13. August 2015 | von Bellarminius

Gestern nach dem vierten Bier sagte Simon zu mir: »Also eigentlich mag ich diesen David Hugendick ja«, und holte so tief Luft, dass ich ihn kurz unterbrechen konnte. »Ist das jetzt nicht ein bisschen wohlfeil, einfach so auf die Zeit loszugehen?«, fragte ich. »Außerdem möchte er nicht nur Deutschland, sondern gleich das ganze Abendland abschaffen. Das muss dem konkret-Leser doch gefallen.« Simon blickte mich verständnislos an: »Niveau-Hautcreme-Witze für Fortgeschrittene! Jemand der „Euphemismuskiste“ und „Arsch der Welt“ und „Muss ich mir merken“ schreibt und das sogenannte Anführungszeichen zur Kunstform erhebt, der hat im Feuilleton einfach nichts verloren! Rausschmeißen!« Er nahm einen Zug von seiner Zigarette und blies zufrieden einige Rauchschwaden in den Nachthimmel. »Das sagst du jetzt, weil du mal einen letzten Absatz von ihm gelesen hast. Asylkritiker, Pressefreiheitskritiker, das ist doch einfach wunderbare Sprachkritik.« Wütend knallte Simon sein Pils in Elke-Heidenreich-Manier auf den Tisch: »Als ob Textkenntnis überhaupt noch irgendein Kriterium ist!« Da unterbrach eine dieser Perseiden-Sternschnuppen von gestern kurz unser Gespräch. »Eigentlich«, sagte ich.